Freitag, 4. September 2015

Distillery Review 9: Bladnoch


Die Malt Mariners Distillery Reviews sind kleine Reiseberichte, die sich speziell mit Besuchen unserer geliebten Whisky Brennereien befassen. Bitte beachtet hierbei, dass es sich um Eindrücke einer Einzelperson handelt. Die Einblicke sind subjektive Momentaufnahmen und sollten als solche verstanden werden. Viel Spaß!

Distillery Review 9: Bladnoch


Malz Matrosen! Was soll ich sagen... Ein Abenteuer wäre kein Abenteuer, ohne Risiken und Zwischenfälle... Und nachdem die Bladnoch Distillery die zweite Whisky Brennerei ist, die ich auf meinem Malt-Mariners-Whisky-Trail besuche, ist mit ihr eine kleine Geschichte verbunden. Aber soll mir Einer einen Whisky oder eine Brennerei zeigen, bei der es anders wäre. Genug der Vorrede! Nachdem meiner Windschutzscheibe in Masham (England, Yorkshire Dales), nahe der Black Sheep Brewery, der Durchbruch gelang (man möge mir das schlechte Wortspiel verzeihen, aber Galgenhumor rettet bekanntlich den Tag), begab ich mich also auf eine Odyssee zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit meines Gefährts.
Dies gelang mir mit Hilfe meiner wundervollen Gastgeber Anna und Steve in Silsden (thank you guys soo much!!) schlussendlich und ich machte mich am selben Tag auf in Richtung Wigtown, wo die Bladnoch Distillery auf mich wartete. Bei meinem dortigen Airbnb Gastgeber angekommen (gegen Abend in strömendem Regen) musste ich im Bett liegend feststellen, dass ich nicht allein war. Da ich von Natur aus kein Freund von Flöhen und ähnlichem Getier bin, verabschiedete ich mich noch am selben Abend (gegen 22:00 Uhr an einem Feiertag) und machte mich auf die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Das einzige Gebäude weit und breit in dem noch Licht brannte, war in der Tat ein Pub. Als ich näher kam, konnte ich erkennen, dass es sich um das „Bladnoch Inn“ handelte. Der Whisky Kompass hatte mich ja noch nie im Stich gelassen, also blühte in mir neue Hoffnung auf ein Happy End dieses sch*** Tages. Ich kam mir ein bisschen wie in einem schlechten Western vor, als ich hundemüde und recht verzweifelt die Tür des Pubs öffnete. Und oh Wunder, es war noch ein Zimmer frei zu nicht ganz unbezahlbaren Preisen! (Beliebigen Gott hier einfügen) sei Dank! Und auf der gegenüberliegenden Straßenseite lag, dreimal dürft ihr raten, die Brennerei! Der Abend an der Bar bei nettem Plausch mit den Einheimischen und dem ein oder anderen Whisky oder Pint besänftigte dann auch schließlich meine Nerven (und meine Sinne). So würde ich zur Sperrstunde von der Gesellschaft mit den besten Wünschen für meine weitere Reise in eine erholsame Nacht verabschiedet.


Neue Kraft muss her! Also startete ich den nächsten Tag aus Prinzip mit einem full scottish breakfast. Danach gings dann endlich rüber zur Brennerei. 
Wie ich bereits zuvor in Erfahrung gebracht hatte, sind derzeit leider keine Touren möglich. Daher hatte ich etwas Sorge die Strapazen und den weiten Weg nur für ein paar Brennereigebäude im Wachkoma hinter mich gebracht zu haben.


Vor Ort im Brennereishop erfuhr ich dann, dass die Brennerei zum jetzigen Zeitpunkt tatsächlich bereits seit knapp 6 Jahre außer betrieb ist. Erst jüngst hat sich ein neuer Besitzer gefunden, der australische Businessman David Prior soll in die Fußstapfen des irischstämmigen Raymond Armstrong treten. Dieser hatte die Brennerei selbst erst 1994 von United Distillers befreien... äh erwerben können. Bisher weiß niemand so recht, was der Besitzerwechsel für Auswirkungen auf die Produktpalette haben wird. In jedem Fall sichert(e) er das Überleben der Brennerei und das ist alles was (vorerst) zählt. Denn die Brennerei ist aus meiner Sicht ein wahres Prachtexemplar, das es zu erhalten gilt. Sie liegt direkt am Fluss Bladnoch und ist ein wahrer Augenöffner, wie die Hobbits zu sagen pflegen. Der Garten hinter der Brennerei liegt ebenfalls am Fluss und wenn hier in ein paar Jahren
zu den neuen und alten Abfüllungen noch Kaffee und Kuchen verkauft wird, sollte das Besucherherz höher schlagen. Es heißt gegen Ende 2016 sollen die neuen Fässer in die Lager rollen. Bis dahin (über-)lebt die Brennerei von ihrem Lager. Das machte sich auch im Shop bemerkbar, lagern dort doch nur noch 20 Jahre Plus Abfüllungen. Unter 90 Pfund verlässt keine Flasche den Laden und so muss man sich damit begnügen im Tastingraum zu probieren, was noch da ist (ich hatte das Glück noch ein paar 10,11 und 12jährige probieren zu können). Der Bladnoch 10 Jahre (Ex-Bourbon Fass) und der Bladoch 12 Jahre (Ex-Sherry lightly peated) beide stolzen 55 %vol. stießen in meinem persönlichen
Ranking nur ins Mittelfeld vor. Man muss hierzu aber erwähnen, dass auf Grund der bisherigen Single Cask Politik das kein generelles Urteil über den Whisky sein kann, mal ganz davon abgesehen, dass ich meine persönlichen Vorlieben ohnehin nie als allgemeinen Qualitäts-Maßstab ansetzen würde. Obendrein wird sich vermutlich hier in Zukunft ohnehin einiges ändern. Die bisherigen Ausmaße der Brennerei (lediglich bis zu 100.000 Liter pro Jahr) werden auch im hauseigenen „bottlingplant“, also der „Abfüllstation“ erkenntlich. Diese ist nämlich tatsächlich bis heute eine handbetriebene Station geblieben (Link). Bladnoch fabrizierte darüber hinaus bislang ausschließlich Single Cask Abfüllungen mit Ausnahme der Distillers Edition. Färbung und Kühlfilterung sind hier ein Fremdwort (Thumbsup*). Ob das so bleiben wird, ist ungewiss. Wer einen Blick auf die jüngere Vergangenheit der Brennerei werfen möchte, der möge einmal bei Ralfy vorbei schauen und nach Bladnoch suchen. Wir dürfen in jedem Fall gespannt ein Auge auf diese Brennerei haben. Sie hat eine belebte Vergangenheit und großes Potential für die Zukunft. Und wir wissen ja, wer viel erlebt hat, hat viel zu erzählen. Hoffen wir der neue Besitzer beweist ein gutes Händchen für die alte Dame. Ich wünsche es ihr in jedem Fall!


Fazit:
Noch liegt die Brennerei im Dornröschenschlaf. Aber in wenigen Jahren sollte sich hier eine Genießerattraktion erster Güte entfaltet haben. Drücken wir die Daumen!


Slainte Mhath! 

Euer Leon 



Fakten (Stand August 2015):
Eigentümer: David Prior
Gegründet: 1825
Produktionsvolumen pro Jahr: 100.000 Liter
Adresse: Bladnoch, Wigtownshire, DG8 9AB
Aussprache: Bladnock
Erreichbar: Mit dem Auto

Montag, 24. August 2015

Auf ein Wiedersehen!


Die Malt Mariners sagen Lebewohl und auf Wiedersehen! Noch einmal haben wir auf einander, die Freundschaft und gute Gesellschaft angestoßen, bevor wir das Land tauschen. Da es kaum einen besseren Anlass gibt, haben wir nun endlich das letzte "Eden Mill" geköpft und auf den Tag genau ein Jahr nach Abfüllung den Bowmore Handfilled (First Fill Bordeaux Cask 16 Jahre) geöffnet. Keine Tasting Notes, keine Geschmacksbeschreibungen, kein Schnickschnack. Einfach das was wir am besten können: Das Leben genießen :)

In diesem Sinne: Machts gut ihr Lieben! 

*Not all those who wander are lost*
- J.R.R. Tolkien -  




Samstag, 15. August 2015

Auf Wiedersehen Hamburg!

Wir bedanken uns noch einmal ganz herzlich bei allen Gästen, die gestern mit uns Abschied gefeiert haben und uns über die letzten Monate unterstützt haben. Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit nicht für immer, dazu seid IHR einfach eine viel zu tollte Truppe!!



All the best!

The Malt Mariners

Montag, 3. August 2015

Distillery Review 8: Auchentoshan


Die Malt Mariners Distillery Reviews sind kleine Reiseberichte, die sich speziell mit Besuchen unserer geliebten Whisky Brennereien befassen. Bitte beachtet hierbei, dass es sich um Eindrücke einer Einzelperson handelt. Die Einblicke sind subjektive Momentaufnahmen und sollten als solche verstanden werden. Viel Spaß!

Distillery Review 8: Auchentoshan 


Die Auchentoshan Brennerei liegt wie ihr gälischer Name übersetzt bedeutet an „der Ecke des Feldes“ in Clydebank, einem Nachbarort von Glasgow. Diese Nähe zu Glasgow macht sie zu einer beliebten Touristen-Attraktion, da sie mit dem Zug in etwas weniger als 45 Minuten zu erreichen ist (außer man verfranzt sich ständig mit den Haltestellen... hust*). Eben diese Nähe zu Glasgow mag es auch sein, welche die Auchentoshan-Tour für meinen Geschmack etwas zu routiniert und lieblos haben erscheinen lassen. Zu Gute halten muss ich der Tour aber, dass das Fotografieren im gesamten Gebäudekomplex erlaubt war, was bei vermeindlich kommerzieller ausgelegten Brennereien nicht immer üblich ist. Dies war erfreulich, bietet die Brennerei doch allerlei Sehenswertes. 

Bereits die kupferne Mashtun ist ein wahrer Augenschmaus. Auch der Rest der Brennereigebäude ist schön anzusehen und bieten einen guten Einblick in den Produktionsprozess. 1823 wird als offizielles Gründungsdatum der Brennerei angegeben, wenngleich es strittig ist, ob Auchentoshan nicht aus der 1800 gegründeten Duntocher Distillery hervorging. Die Whisky Verkostung am Ende der Tour verlief leider ebenso lieblos wie die Tour selbst. Wir durften zwar mehrere unterschiedliche  Abfüllungen kosten, jedoch wurde auch hier der Eindruck vermittelt, hierfür nur wenig Zeit zu haben. Somit blieb die Ruhe zum  Verkosten geschweige denn zum Genießen etwas auf der Strecke. Von den Standardabfüllungen überzeugte mich der „Three Wood“ am ehesten, eine Abfüllung die in Ex-Bourbon, Ex-Oloroso Sherry und Ex-Pedro Ximenez Sherry Fässern reifte. 


Auchentoshan wird angeblich von einigen Schotten als „Frühstückswhisky“ bezeichnet, was wohl seinem milden Ruf zuzuschreiben ist. Ob dies nun von der, für schottische Verhältnisse äußerst seltenen, Dreifachdestillation herrührt, vermag ich nicht zu beurteilen. Laut dem schottischen Youtuber und Whisky Virtuosen Ralfy wurde Auchentoshan einst als irische Brennerei auf schottischem Boden gebaut, um die in Schottland lebende irische Bevölkerung mit irischem Whiskey zu versorgen. 


Man sagt sowohl klassischen irischem Whiskey als auch den Lowland Malts einen eher milderen (böse Zungen mögen sagen „schwächeren“) Charakter zu. Ralfys Erläuterungen klingen also plausibel. Er selbst verteidigt aber Lowland Whiskies, die seiner Meinung nach oft unterschätzt werden. Was soll ich sagen Malz Matrosen, am besten ihr bildet euch eure eigene Meinung ;). Das Gleiche gilt für die Auchentoshan Brennerei. Auf Grund ihrer Location und der tollen Sehenswürdigkeiten (Gebäude, Mashtun, Pot Stills) würde ich die Brennerei trotz meiner kritischen Worte für einen Besuch empfehlen und hoffe ihr erwischt einen motivierten Tourguide und kommt nicht, wie ich, abgehetzt zur letzten Tour des Tages. 

Fazit: Eine interessante Brennerei in einem, für meinen Geschmack, zu schönem und professionellen Gewand. Ich persönlich konnte mich dem Eindruck, dass Marketing und Tourismus der Brennerei den individuellen Charme nehmen nicht erwehren. Dennoch bereue ich meinen Besuch nicht, da ich das Innenleben und die Gebäude als sehenswert empfunden und somit meinen Besuch genossen habe.


Slainte Mhath! 

Euer Leon 



Fakten (Stand Juli 2015):
Eigentümer: Suntory
Gegründet: 1823
Produktionsvolumen pro Jahr: 1.650.000 Liter pro Jahr
Adresse: By Dalmuir, Clydebank, West Dunbartonshire G81 4SJ
Aussprache: Ochentoschen/ Oarkentoschen
Erreichbar: Mit dem Bus, mit der Bahn



Quellen:


- Hoffmann, Marc (2007): Whisky - Marken aus der ganzen Welt; Bath, New York, Singapore, Hong Kong, Cologne, Delhi, Melbourne: Parragon
- https://de.wikipedia.org/wiki/Auchentoshan
- http://whiskyreviews.blogspot.de/2014/10/whisky-review-495-auchentoshan-18yo-43.html
- http://www.maltmadness.com/whisky/auchentoshan.html
- Jackson, Michael (2010); Malt Whisky; London, New York, Melbourne, München, Delhi: Dorling Kindersley


Sonntag, 2. August 2015

Around The World Tasting


Getreu unserem Motto "Bring me that horizon" verabschieden sich die Malt Mariners (vorerst) mit einem Highlight. Wie die meisten von Euch wissen, verabschiede ich (Leon) mich nach diesem Tasting für (mindestens) zwei Monate nach Schottland. Was die Zukunft bringt wird ist herrlich ungewiss! Passend dazu wird sich das Around The World Tasting am 14.08.2015 erstmalig (vorwiegend? ausschließlich?) mit nicht-schottischen Whiskies beschäftigen. Wie immer bleibt die Auswahl, Art und Herkunft der guten Tropfen im Nebel des Abenteuers, das vor uns liegt, verborgen. Es wird in jedem Fall eine spannende Reise und wir sind bereits jetzt gespannt, auf eure Reaktionen und Einschätzungen der neuen Ufer. Ich und Michael freuen uns jedenfalls schon riesig darauf mit Euch noch einmal die Korken ploppen zu lassen!

Möge Kalypso uns wohl gesonnen sein!

Eure Malt Mariners

Donnerstag, 9. Juli 2015

Compass Tasting verschoben!


Ahoi liebes Hamburg!
Nachdem am 11.07. leider zu viele von euch Malz Matrosen das Compass Tasting verpasst hätten, haben wir einen neuen Termin und eine neue Location ausfindig machen können! Und zwar Freitag den 31.07. um 19:30 Uhr in der Grubesallee 26. Da dieses Tasting auch das Abschiedtasting für meinen Arbeitgeber Nordlicht e.V. wird sind wir in den Räumlichkeiten. Ich werde, da meine Kollegen vermutlich eher Neulinge sind, bei diesem Tasting ein paar Info Blöcke einbauen. Malt Marines seht es mir nach und unterstützt mich beim missionieren ;)
Habt gut gegessen und bringt Kameraden und Kameradinnen mit, wir haben lange Wege vor uns! Möge Kalypso uns wohl gesonnen sein! 
Eure Malz Piraten! Jo ho!

Donnerstag, 2. Juli 2015

Distillery Review 7: Talisker


Die Malt Mariners Distillery Reviews sind kleine Reiseberichte, die sich speziell mit dem Besuch unserer geliebten Whisky Brennereien befassen. Bitte beachtet hierbei, dass es sich um Eindrücke einer Einzelperson handelt. Die Einblicke sind subjektive Momentaufnahmen und sollten als solche verstanden werden. Viel Spaß!


Distillery Review 7: Talisker


Skye ist ein Reiseziel für das man sich mehrere Tage Zeit nehmen sollte, da die Anreise von Edinburgh oder Glasgow gute fünf Stunden in Anspruch nimmt und es schlichtweg so viel zu sehen gibt (Old Man of Storr, Kilt Rock, Fairy Pools...)!
Anders als auf der Whisky-Insel Islay, fällt auf Skye die Entscheidung (noch) nicht schwer, welche Brennerei man besuchen möchte. Noch? Richtig! Im „Malt Whisky Yearbook 2015“ schreibt Ingvar Ronde, dass wohl eine weitere Brennerei auf Skye in Planung sein soll! Mossburn Distillers sollen den Plan des verstorbenen Sir Iain Noble aufgenommen haben bei Torabhaig eine zweite Brennerei aufzubauen. Wir haben ein Auge drauf, versprochen! Bis auf weiteres bleibt Talisker aber die einzige Brennerei auf der größten Insel der inneren Hebriden, die heute durch eine Autobrücke mit dem Festland verbunden ist. Die Anreise und Planung fällt daher unproblematischer aus als auf den Nachbarinseln. 


Die Talisker Distillery selbst liegt in Carbost am Loch Harport, einem Meeresarm der sich bis zur Brennerei erstreckt. Die Lage ist wundervoll, wenngleich man vermutlich in Carbost außer dem „Old Inn“ kaum Unterkünfte finden wird. Das Dorf besteht aus einigen Häusern und einem winzigen Tante Emma Laden. Das „Old Inn“ ist Hotel, Restaurant und Pub in einem und definitiv einen Besuch wert. Wer sich also Wegstrecke zur Brennerei sparen will, kann direkt gegenüber im Old Inn übernachten. 

Ihr sucht eine preiswertere und familiärere Alternative? Dann möchte ich euch unbedingt das „Skyewalker Hostel“ in Portnalong ans Herz legen. Das Hostel ist eine tolle Mischung aus Skurrilitäten und herzlicher Gastfreundschaft im 60iger Jahre Hippie-Stil. Brian und Lisa führen das Hostel als Familienbetrieb und haben einen genialen Rückzugsort von Handystress (internetfreie Zone ;) und Alltag geschaffen. Mit dem Auto ist man in 5 Minuten bei der Brennerei, zu Fuß ist man eine knappe Stunde unterwegs. Perfekt für einen Tagesausflug.


Aber zurück zur Brennerei! Was gibt es Interessantes zu erzählen? Die Brennerei wurde 1830 gegründet, jedoch erst 1831 am heutigen Ort errichtet. Bis 1928 wurde bei Talisker dreifach destilliert, anschließend stellte man auf die, bis heute gängige, Zweifachdestillation um. 1960 brannte die Brennerei komplett nieder! 1962 wurde sie originalgetreu wieder errichtet. Wie bei den Schotten üblich machte man aus der Not eine Tugend und integrierte den Tod in den Flammen ins Marketing. So kann man heute in der Brennerei auf den Werbebannern „Out of the fire came Talisker“ lesen. Zugegeben, bei Betrachtung des unverwechselbaren Charakter des Whiskys ist dies eine Formulierung deren Dramaturgie ich mich nur schwer entziehen kann. 1972 schlossen leider wie bei so vielen Brennereien die Malzböden. Schade. Soviel zur Historie!


Talisker gehört zum Spirituosen Giganten Diageo und muss sich daher der rigiden „Health and Safety Policy“ unterwerfen (laaaangweilig!). Dies führt wie bei den meisten Diageo Brennereien zu einem generellen Fotoverbot in der Brennerei (erspart euch die Diskussion um den „Blitz“ der Kamera welcher möglicherweise „Funken entzünden könnte“). Schade, scheiße, aber normal! Die Tour selbst haute mich auch nicht grade vom Hocker... Nur ein Blick durch dickes Glas in die Lagerhäuser und ein Anstecker als Takeaway gift... Alles in Allem wirkte es knauserig! Ich hoffe, dass sich das Management bis zu meinem oder eurem nächsten Besuch eines Besseren besonnen hat.


Das alles trübte für mich Kopf-und-Herz-Mensch etwas das Talisker-Erlebnis. Sich jedoch an der Bar des „Old Inn“ durch 4 (oder 5...? Erinnerung, Erinnerung ;) Talisker Varianten zu probieren, machte das alles wieder wett. Der Zauber des Ortes tut dann doch sein Übriges, um einem die schönsten Malt Moments zu schenken. Und Talsiker ist und bleibt für mich trotz Kühlfilterung und Farbzugabe einer der besten Whiskies überhaupt. Die zehn Jahre alte Standardabfüllung ist in meinen Augen für 30 bis 35 Euro ein so toller und komplexer Malt mit echten Ecken und Kanten. Die Authentizität und leidenschaftliche Wildheit der Insel, die sich im Talsiker wiederfindet, wird daher bisher nicht durch Marketing Stolpersteine getrübt. Wer also einen echten Insel-Whisky mit selbstbewusstem aber nicht zu dominanten Rauch, eine ordentliche Portion Feuer und Gewürze im  maritimen Gewand sucht, ist mit Talisker bestens beraten.


Fazit:
Die Talisker Brennerei ist eine von vielen „Must See“ Orten auf Skye. In Sachen Gastfreundschaft hat die Brennerei Luft nach oben, der „King of drinks“ ist jedoch zum Glück ein Kind seiner Insel geblieben.

Slainte Mhath! 

Euer Leon 

 










Fakten (Stand Juli 2015):
Eigentümer: Diageo
Gegründet: 1830
Produktionsvolumen pro Jahr: 2.000.000 Liter pro Jahr
Adresse: Carbost, Skye IV47 8SR
Erreichbar: Zu Fuß (?), mit dem Auto
Link: Keine eigene Homepage
http://www.malts.com/index.php/de_de/Unsere-Whiskies/Talisker





Quellen: 
- https://de.wikipedia.org/wiki/Talisker
- http://www.maltmadness.com/whisky/talisker.html
- Jackson, Michael (2010); Malt Whisky; London, New York, Melbourne, München, Delhi: Dorling Kindersley 
- Ronde, Ingvar (2014): Malt Whisky Year Book; Shropshire: MagDig Media Limited
- Wündrich, Katja; Seonaidh, Adams (2012): Whisky Trails; Frankfurt am Main: Goldfinch
- Mein Whisky Tagebuch ;)