Samstag, 3. Oktober 2015

Distillery Review 10: A new spirit


Distillery Review 10: A new spirit

- Annandale, Eden Mill, Kingsbarns - 


„Die Welt ist im Wandel, ich spüre es im Wasser, ich spüre es in der Erde, ich rieche es in der Luft. Vieles was einst war, ist verloren, da niemand mehr lebt, der sich erinnert.“ Die Herr-der-Ringe-Fans unter euch erkennen dieses Zitat sicherlich wieder. Für uns Whisky-Freunde mag dies ebenfalls vertraut klingen. Wer hat nicht schon einmal auf seinen Reisen, ob in Artikeln oder vor Ort, den zahllosen geschlossenen und eingemotteten Brennereien vergangener Zeiten nachgetrauert? Doch was vergangen ist, ist vergangen. Und das die Welt des Wasser des Lebens im Wandel ist, darf man denke ich mit Fug und Recht behaupten. Vieles bewegt sich derzeit in und außerhalb Schottlands. Die Whisky-Industrie hat sich in den 90ern und 2000ern beispiellos erholt und feiert seit dem den anhaltenden Aufschwung. Seit einigen Jahren sprießen daher auch mehr und mehr neue Brennereien aus dem Boden. Kilchoman, Kavalan und Warenghem haben u.a. gezeigt, dass man auch mit jungem Single Malt Erfolge feiern kann. Höchste Zeit für die Malz-Matrosen die Nase in die frische Briese zu halten, die uns entgegenweht. Setzen wir also die Segel Richtung Neuland und legen das Augenmerk auf die jungen Sprösslinge der schottischen Brennereien. Der Malt-Mariners-Whisky-Trail führte mich zu folgenden „Neuankömmlingen“, die ich für euch unter die Lupe genommen habe:

Annandale Distillery
Lage: Council Dumfries & Galloway (Lowlands)
Gründung: 2014
Brennblasen: 1 Wash Still, 2 Spirit Stills
Aktuelles Produktionsvolumen: 250.000 Liter pro Jahr
Distillery Manager: Malcolm Rennies
Im Besitz von: Annandale Distillery Company (unabhängig)


Eden Mill
Lage: Kingdom of Fife, St Andrews
Gründung: 2012 (Bier), 2014 (Whisky)
Brennblasen: Mini Wash Still, Mini Spirit Still
Aktuelles Produktionsvolumen: sehr schwankend, daher keine Angaben (Kapazität dürfte bis zu 100.000 Liter im Jahr gehen, liegt derzeit aber weit darunter)
Distillery Manager: Paul Miller
Im Besitz von: Eden Mill (unabhängig)


Kingsbarns Distillery
Lage: Kingdom of Fife, St Andrews
Gründung: 2015
Brennblasen: Eine Wash Still, eine Spirit Still
Aktuelles Produktionsvolumen: In Recherche 
Distillery Manager: Peter Holroyd
Im Besitz von: Wemyss


Interessant bei diesen drei neuen Brennereien ist, dass alle den Lowlands zugeordnet werden können und bislang auf Grund ihrer Jugend noch keinen selbstgebrannten Whisky in den Regalen stehen haben. Das macht sie für mich zum idealen Vergleichsobjekt. Im Folgenden werde ich euch diese Brennereien vorstellen und dabei das Augenmerk auf die Kategorien Lage bzw. Erreichbarkeit, Besucherzentrum, Atmosphäre und last but not least den zukünftigen Single Malt legen.

„Erreichbarkeit“
Die Annandale Distillery liegt am Rande der Kleinstadt Annan im Council Dumfries & Galloway und ist vom Ort aus in knappen 20 Minuten per pedes zu erreichen. Soweit so gut. Allerdings ist Annan nicht grade das, was man als touristisches Kronjuwel bezeichnen würde. Dumfries ist in dieser Region vermutlich die bessere Wahl und in ca. 30 Minuten seid ihr in Annan. In Dumfries warten etwa das Robert Burns Mausoleum und andere Sehenswürdigkeiten auf euch. Ich kann hier die Camera Obscura empfehlen.

Eden Mill liegt fünf Meilen vom Stadtzentrum von St Andrews entfernt, einer bildhübschen studentisch-wuseligen Kleinstadt direkt am Meer. St Andrews ist Golfer-Eldorado und als Universitätsstadt bekannt. Wenngleich ich mit Golf nichts anfangen kann, muss ich gestehen, dass St Andrews den Eindruck erweckt einen längern Aufenthalt wert zu sein. Ein Bus bringt euch in knapp 15 Minuten zur Brennerei.
Ausblick vom Kingsbarns Car Park

Kingsbarns liegt ca. 9 Meilen außerhalb St Andrews in der entgegengesetzten Richtung zu Eden Mill. Es mag sein, dass hierhin oder in die Nähe ein Bus fährt, sicher bin ich mir aber nicht. Und selbst wenn, würde er deutlich länger brauchen. Die Lage in mitten von Gerstenfeldern und Blick aufs Meer entschädigen dafür aber vollends.
Der erste Punkt in Sachen Erreichbarkeit geht also an Eden Mill.

„Atmosphäre“
Diese Kategorie schließt für mich den Gesamteindruck, den die Brennerei mit ihren Gebäuden, dem Besucherzentrum und dem Internetauftritt erzeugt, ein.
Das erste Fass von Kingsbarns
Beginnen wir hier mit Kingsbarns. Wie bereits erwähnt, ist die Lage der Brennerei gut gewählt. Vom Besucherzentrum aus schaut man auf weite (in meinem Fall mal wieder sonnengeflutete) Gerstenfelder. Vom Parkplatz aus ist sogar das Meer zu sehen. Die Brennerei ist in Holz und Stein gehalten, mit architektonischen Anspielungen auf ein Schloss. Das Besucherzentrum ist minimalistisch aber ansprechend. Ein Korridor fürs Cafe, einer für den Shop, fertig. Kein Schnickschnack, alles reduziert aufs Wesentliche. Die Tour beginnt mit einer Art Mini-Museum, einer schönen Mischung aus Multimediaerlebnis und Down-To-Earth-Information. Am Ende des Ganges tront das „Cask Number One“ in einer Kammer auf einem Sockel wie ein Kronjuwel. Ich verneige mich in Demut für den Verantwortlichen. Das kann sich wirklich sehen lassen.

Annandale Cafe & Besucherzentrum
Die Annandale Brennerei ist ebenfalls Touristenattraktion konzipiert, alles ist schick, sauber und neu. Für meinen (persönlichen) Geschmack etwas zu schick, sauber und neu. Das Design der Brennerei und des Besucherzentrums hat eine klare Linie mit viel geschliffenem Holz, schwarzem Metall und dem Annandale-Lila, das sich zu Hauf auf der Homepage findet. Hie und da blitzen schicke „Whiskygimmicks“ auf, wie etwa die Lampen aus Fassdauben, oder der umfunktionierte Fassmülleimer. Das Pagodendach der Brennerei ist reine Zierde, gedarrt und gemälzt wird außerhalb. Dazu mag sich jeder seine eigene Meinung bilden. Es sieht für mich aber schöner aus, als das angedeutete Schloss bei Kingsbarns, ist aber im Endeffekt ebenfalls reine Kosmetik. Das Besucherzentrum legt hier den größeren Fokus auf das Cafe mit einen gemütlichen Tischen mit Bänken, Sofas und sogar einer neumodischen Feuerstelle.

Eden Mill Besucherzentrum
Eden Mill kann auf Grund seines rusikal-industriellen Charakters natürlich nicht mit den komplett neu errichteten Brennereien mithalten. Es wird genutzt was bereits da ist und das ist keine Augenweide. Derzeit gibt es einen großen Raum in dem das Besucherzentrum eher provisorisch zusammengezimmert zuhause ist. Für manchen Malt-Maniac mag dies jedoch sogar authentischer wirken, als die geleckten Brennereigebäude und Besucherzentren. Aus touristischer Sicht bekommt man hier aber weniger geboten.

In dieser Kategorie einen „Sieger“ zu küren fällt mir schwer. Annandale und Kingsbarns sind hier gleich auf und der persönliche Geschmack entscheidet schlussendlich ohnehin. Ich würde hier für Kingsbarns stimmen, dessen Tourbereich und Lage mich für sich eingenommen haben.

„Kein Whisky? Was nun?“
Keine der drei genannten Brennereien kann bislang mit eigenem Single Malt aufwarten. Damit stehen alle vor dem gleichen Problem: Was kommt ins Glas der Gäste? Vom Geldbeutel der Brennerei mal ganz abgesehen.



Eden Mill hat in Sachen „einschenken“ vermutlich am wenigsten Schwierigkeiten, wurde das Projekt schließlich als „micro-brewery“ gegründet und setzt daher nicht nur auf eine Karte. Des Weiteren hat Eden Mill ein gutes Standbein in der Gin Produktion und kann auf eine breite Palette von Gin Varianten zurückgreifen. Da ich als sturköpfiger Malthead mit diesem Getränk auf Kriegsfuss stehe, war das für mich natürlich kein Stein im Brett. Im Gegenteil. Meine VIP Tour (ein Geschenk), die durch Kommunikationsschwierigkeiten eine „Gin Tour“ wurde versauerte mir den Tag gewaltig. Gin interessiert mich wie gesagt nicht die Bohne ;). Neben dem Gin gibt es ja glücklicherweise noch eine Reihe Craftbeer. Wo ich herkomme (Franken), nennt man das „Bier“. Die spannende Variante bei Eden Mill allerdings sind die Weinfass-gelagerten Biere. Aber am Ende sind wir ja wegen des Whiskys hier. Auch hier lässt sich Eden Mill nicht lumpen. Der New Spirit kommt gleich in drei Varianten daher, erzeugt durch unterschiedliche Mälzprozesse und ist nach den großen schottischen Feiertagen benannt. Der „St Andrews Day“ New Spirit wurde aus „dark crystal malt“ gebrannt. 
Für den „Hogmanay“ wurde „chocolate malt“ und den „Burns Night“ „pale malt“ verwendet. Alle drei Varianten sind ungetorft. Wenn man Glück hat und alle vorrätig sind, kann man diese drei Sprösslinge aus dem Hause Eden, aus denen später unser geliebter Single Malt entstehen wird, vor Ort probieren. Wer nicht auf den Eden Mill Whisky warten will, kann vor Ort „besonders ausgesuchte“ Whiskies der verschiedenen Regionen „Islay“, „Highlands“ und „Speyside“ ohne genaue Angabe der Herkunft kaufen. Naja, da greife ich dann doch lieber zu den bekannten Malts.


Annandale löst das Reife-Dilemma mit einem „Nations Of Scots“ Blended Scotch, einem Whisky der den außerhalb der Heimat lebenden Schotten gewidmet ist. Ob den Landsleuten im Ausland hiermit wirklich Ehre zu Teil wird, versehe ich mal mit einem Fragezeichen. Mich hat der Blend nicht aus den Socken gehauen. Aber schließlich geht es ja um den zukünftigen Single Malt. Der New Spirit der Annandale Brennerei wird in

zwei Varianten im Shop als „Rascally Liquor“ (ich neige zur Übersetzung „schelmischer Geist“, einfach weil sie mir gefällt :) dargeboten. Die ungetorfte Variante trägt den Namen „King Of Words“ und ist dem schottischen Nationalpoeten Robert Burns gewidmet, die getorfte Variante nennt sich „King Of Swords“ und ehrt Robert the Bruce den „King of Scots“. Nachdem ich bei Annandale glücklicherweise die Gelegenheit einer Manager Tour bekam, konnte ich auch den jeweiligen halbjährig im Fass gereiften Spirit verkosten und muss gestehen, dass hier durchaus angetan war. Ich bin gespannt auf die ersten Abfüllungen von Annandale. Wie jede Whisky Brennerei haben auch diese neuen Vertreter ihre Eigenheiten und Schwerpunkte. 



Kingsbarns wartet mit nur einem New Spirit auf der, wie bei allen Neulingen, im Shop verkauft wird. Allerdings hat Kingsbarns den Vorteil, dass es Besitz der traditionsreichen Familie Wemyss ist, die bereits eine weite Range von Whiskies im Sortiment hat. Darunter die drei bereits preisgekürten Blended Malts (Vatted Malts, nicht mit „Blended Scotch“ zu verwechseln dem Grain Whisky zugesetzt wird) „Spice King“, „The Hive“ und „Peat Chimney“. Außerdem sind eine Reihe unabhängige Single Cask Abfüllungen, mit kompletten Informationen zu Alter, Brennerei und dergleichen verfügbar. Kingsbarns muss sich hier also nicht verstecken. Die eigenen Weine, ebenfalls im Besitz der Familie werden hier gleich mit feilgeboten.

In Sachen „Getränken“ macht hier Eden Mill ganz knapp das Rennen. Trotz meiner Abneigung gegenüber Gin bin ich doch sehr gespannt auf die Ergebnisse der unterschiedlichen New Spirits. Wie und ob wir Deutschen jedoch unsere Hände an eine Abfüllung von Eden Mill bekommen, steht noch in den Sternen. Betrachten wir nur den Whisky, hat Kingsbarns klar die Nase vorn. Hier können die Gäste schon heute ausgiebig Whisky schnuppern und schlürfen.

Schlussendlich macht es natürlich wenig Sinn einen „Sieger“ zu küren, geht es ja immer um den eigenen Geschmack. Sicher sein können wir uns allerdings, dass viel neuer interessanter Whisky auf uns zu kommt und vielleicht den Weg in unserer Tastings und Regal findet. Vorfreude ist ja angeblich die schönste Freude. Nun ja zum Glück gibt es ja genug bereits ausgereiften Single Malt mit dem wir uns die Zeit vertreiben können, bis wir die Früchte der Neuankömmlinge pflücken können. 


Auf bald und slainte mhath!



Euer Leon 


Quellen:
- Mein Notizbuch, meine lückenhafte Erinnerung, mein Smartphone
https://www.annandaledistillery.com
http://edenmill.com
http://www.kingsbarnsdistillery.com 

Freitag, 4. September 2015

Distillery Review 9: Bladnoch


Die Malt Mariners Distillery Reviews sind kleine Reiseberichte, die sich speziell mit Besuchen unserer geliebten Whisky Brennereien befassen. Bitte beachtet hierbei, dass es sich um Eindrücke einer Einzelperson handelt. Die Einblicke sind subjektive Momentaufnahmen und sollten als solche verstanden werden. Viel Spaß!

Distillery Review 9: Bladnoch


Malz Matrosen! Was soll ich sagen... Ein Abenteuer wäre kein Abenteuer, ohne Risiken und Zwischenfälle... Und nachdem die Bladnoch Distillery die zweite Whisky Brennerei ist, die ich auf meinem Malt-Mariners-Whisky-Trail besuche, ist mit ihr eine kleine Geschichte verbunden. Aber soll mir Einer einen Whisky oder eine Brennerei zeigen, bei der es anders wäre. Genug der Vorrede! Nachdem meiner Windschutzscheibe in Masham (England, Yorkshire Dales), nahe der Black Sheep Brewery, der Durchbruch gelang (man möge mir das schlechte Wortspiel verzeihen, aber Galgenhumor rettet bekanntlich den Tag), begab ich mich also auf eine Odyssee zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit meines Gefährts.
Dies gelang mir mit Hilfe meiner wundervollen Gastgeber Anna und Steve in Silsden (thank you guys soo much!!) schlussendlich und ich machte mich am selben Tag auf in Richtung Wigtown, wo die Bladnoch Distillery auf mich wartete. Bei meinem dortigen Airbnb Gastgeber angekommen (gegen Abend in strömendem Regen) musste ich im Bett liegend feststellen, dass ich nicht allein war. Da ich von Natur aus kein Freund von Flöhen und ähnlichem Getier bin, verabschiedete ich mich noch am selben Abend (gegen 22:00 Uhr an einem Feiertag) und machte mich auf die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Das einzige Gebäude weit und breit in dem noch Licht brannte, war in der Tat ein Pub. Als ich näher kam, konnte ich erkennen, dass es sich um das „Bladnoch Inn“ handelte. Der Whisky Kompass hatte mich ja noch nie im Stich gelassen, also blühte in mir neue Hoffnung auf ein Happy End dieses sch*** Tages. Ich kam mir ein bisschen wie in einem schlechten Western vor, als ich hundemüde und recht verzweifelt die Tür des Pubs öffnete. Und oh Wunder, es war noch ein Zimmer frei zu nicht ganz unbezahlbaren Preisen! (Beliebigen Gott hier einfügen) sei Dank! Und auf der gegenüberliegenden Straßenseite lag, dreimal dürft ihr raten, die Brennerei! Der Abend an der Bar bei nettem Plausch mit den Einheimischen und dem ein oder anderen Whisky oder Pint besänftigte dann auch schließlich meine Nerven (und meine Sinne). So würde ich zur Sperrstunde von der Gesellschaft mit den besten Wünschen für meine weitere Reise in eine erholsame Nacht verabschiedet.


Neue Kraft muss her! Also startete ich den nächsten Tag aus Prinzip mit einem full scottish breakfast. Danach gings dann endlich rüber zur Brennerei. 
Wie ich bereits zuvor in Erfahrung gebracht hatte, sind derzeit leider keine Touren möglich. Daher hatte ich etwas Sorge die Strapazen und den weiten Weg nur für ein paar Brennereigebäude im Wachkoma hinter mich gebracht zu haben.


Vor Ort im Brennereishop erfuhr ich dann, dass die Brennerei zum jetzigen Zeitpunkt tatsächlich bereits seit knapp 6 Jahre außer betrieb ist. Erst jüngst hat sich ein neuer Besitzer gefunden, der australische Businessman David Prior soll in die Fußstapfen des irischstämmigen Raymond Armstrong treten. Dieser hatte die Brennerei selbst erst 1994 von United Distillers befreien... äh erwerben können. Bisher weiß niemand so recht, was der Besitzerwechsel für Auswirkungen auf die Produktpalette haben wird. In jedem Fall sichert(e) er das Überleben der Brennerei und das ist alles was (vorerst) zählt. Denn die Brennerei ist aus meiner Sicht ein wahres Prachtexemplar, das es zu erhalten gilt. Sie liegt direkt am Fluss Bladnoch und ist ein wahrer Augenöffner, wie die Hobbits zu sagen pflegen. Der Garten hinter der Brennerei liegt ebenfalls am Fluss und wenn hier in ein paar Jahren
zu den neuen und alten Abfüllungen noch Kaffee und Kuchen verkauft wird, sollte das Besucherherz höher schlagen. Es heißt gegen Ende 2016 sollen die neuen Fässer in die Lager rollen. Bis dahin (über-)lebt die Brennerei von ihrem Lager. Das machte sich auch im Shop bemerkbar, lagern dort doch nur noch 20 Jahre Plus Abfüllungen. Unter 90 Pfund verlässt keine Flasche den Laden und so muss man sich damit begnügen im Tastingraum zu probieren, was noch da ist (ich hatte das Glück noch ein paar 10,11 und 12jährige probieren zu können). Der Bladnoch 10 Jahre (Ex-Bourbon Fass) und der Bladoch 12 Jahre (Ex-Sherry lightly peated) beide stolzen 55 %vol. stießen in meinem persönlichen
Ranking nur ins Mittelfeld vor. Man muss hierzu aber erwähnen, dass auf Grund der bisherigen Single Cask Politik das kein generelles Urteil über den Whisky sein kann, mal ganz davon abgesehen, dass ich meine persönlichen Vorlieben ohnehin nie als allgemeinen Qualitäts-Maßstab ansetzen würde. Obendrein wird sich vermutlich hier in Zukunft ohnehin einiges ändern. Die bisherigen Ausmaße der Brennerei (lediglich bis zu 100.000 Liter pro Jahr) werden auch im hauseigenen „bottlingplant“, also der „Abfüllstation“ erkenntlich. Diese ist nämlich tatsächlich bis heute eine handbetriebene Station geblieben (Link). Bladnoch fabrizierte darüber hinaus bislang ausschließlich Single Cask Abfüllungen mit Ausnahme der Distillers Edition. Färbung und Kühlfilterung sind hier ein Fremdwort (Thumbsup*). Ob das so bleiben wird, ist ungewiss. Wer einen Blick auf die jüngere Vergangenheit der Brennerei werfen möchte, der möge einmal bei Ralfy vorbei schauen und nach Bladnoch suchen. Wir dürfen in jedem Fall gespannt ein Auge auf diese Brennerei haben. Sie hat eine belebte Vergangenheit und großes Potential für die Zukunft. Und wir wissen ja, wer viel erlebt hat, hat viel zu erzählen. Hoffen wir der neue Besitzer beweist ein gutes Händchen für die alte Dame. Ich wünsche es ihr in jedem Fall!


Fazit:
Noch liegt die Brennerei im Dornröschenschlaf. Aber in wenigen Jahren sollte sich hier eine Genießerattraktion erster Güte entfaltet haben. Drücken wir die Daumen!


Slainte Mhath! 

Euer Leon 



Fakten (Stand August 2015):
Eigentümer: David Prior
Gegründet: 1825
Produktionsvolumen pro Jahr: 100.000 Liter
Adresse: Bladnoch, Wigtownshire, DG8 9AB
Aussprache: Bladnock
Erreichbar: Mit dem Auto

Montag, 24. August 2015

Auf ein Wiedersehen!


Die Malt Mariners sagen Lebewohl und auf Wiedersehen! Noch einmal haben wir auf einander, die Freundschaft und gute Gesellschaft angestoßen, bevor wir das Land tauschen. Da es kaum einen besseren Anlass gibt, haben wir nun endlich das letzte "Eden Mill" geköpft und auf den Tag genau ein Jahr nach Abfüllung den Bowmore Handfilled (First Fill Bordeaux Cask 16 Jahre) geöffnet. Keine Tasting Notes, keine Geschmacksbeschreibungen, kein Schnickschnack. Einfach das was wir am besten können: Das Leben genießen :)

In diesem Sinne: Machts gut ihr Lieben! 

*Not all those who wander are lost*
- J.R.R. Tolkien -  




Samstag, 15. August 2015

Auf Wiedersehen Hamburg!

Wir bedanken uns noch einmal ganz herzlich bei allen Gästen, die gestern mit uns Abschied gefeiert haben und uns über die letzten Monate unterstützt haben. Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit nicht für immer, dazu seid IHR einfach eine viel zu tollte Truppe!!



All the best!

The Malt Mariners

Montag, 3. August 2015

Distillery Review 8: Auchentoshan


Die Malt Mariners Distillery Reviews sind kleine Reiseberichte, die sich speziell mit Besuchen unserer geliebten Whisky Brennereien befassen. Bitte beachtet hierbei, dass es sich um Eindrücke einer Einzelperson handelt. Die Einblicke sind subjektive Momentaufnahmen und sollten als solche verstanden werden. Viel Spaß!

Distillery Review 8: Auchentoshan 


Die Auchentoshan Brennerei liegt wie ihr gälischer Name übersetzt bedeutet an „der Ecke des Feldes“ in Clydebank, einem Nachbarort von Glasgow. Diese Nähe zu Glasgow macht sie zu einer beliebten Touristen-Attraktion, da sie mit dem Zug in etwas weniger als 45 Minuten zu erreichen ist (außer man verfranzt sich ständig mit den Haltestellen... hust*). Eben diese Nähe zu Glasgow mag es auch sein, welche die Auchentoshan-Tour für meinen Geschmack etwas zu routiniert und lieblos haben erscheinen lassen. Zu Gute halten muss ich der Tour aber, dass das Fotografieren im gesamten Gebäudekomplex erlaubt war, was bei vermeindlich kommerzieller ausgelegten Brennereien nicht immer üblich ist. Dies war erfreulich, bietet die Brennerei doch allerlei Sehenswertes. 

Bereits die kupferne Mashtun ist ein wahrer Augenschmaus. Auch der Rest der Brennereigebäude ist schön anzusehen und bieten einen guten Einblick in den Produktionsprozess. 1823 wird als offizielles Gründungsdatum der Brennerei angegeben, wenngleich es strittig ist, ob Auchentoshan nicht aus der 1800 gegründeten Duntocher Distillery hervorging. Die Whisky Verkostung am Ende der Tour verlief leider ebenso lieblos wie die Tour selbst. Wir durften zwar mehrere unterschiedliche  Abfüllungen kosten, jedoch wurde auch hier der Eindruck vermittelt, hierfür nur wenig Zeit zu haben. Somit blieb die Ruhe zum  Verkosten geschweige denn zum Genießen etwas auf der Strecke. Von den Standardabfüllungen überzeugte mich der „Three Wood“ am ehesten, eine Abfüllung die in Ex-Bourbon, Ex-Oloroso Sherry und Ex-Pedro Ximenez Sherry Fässern reifte. 


Auchentoshan wird angeblich von einigen Schotten als „Frühstückswhisky“ bezeichnet, was wohl seinem milden Ruf zuzuschreiben ist. Ob dies nun von der, für schottische Verhältnisse äußerst seltenen, Dreifachdestillation herrührt, vermag ich nicht zu beurteilen. Laut dem schottischen Youtuber und Whisky Virtuosen Ralfy wurde Auchentoshan einst als irische Brennerei auf schottischem Boden gebaut, um die in Schottland lebende irische Bevölkerung mit irischem Whiskey zu versorgen. 


Man sagt sowohl klassischen irischem Whiskey als auch den Lowland Malts einen eher milderen (böse Zungen mögen sagen „schwächeren“) Charakter zu. Ralfys Erläuterungen klingen also plausibel. Er selbst verteidigt aber Lowland Whiskies, die seiner Meinung nach oft unterschätzt werden. Was soll ich sagen Malz Matrosen, am besten ihr bildet euch eure eigene Meinung ;). Das Gleiche gilt für die Auchentoshan Brennerei. Auf Grund ihrer Location und der tollen Sehenswürdigkeiten (Gebäude, Mashtun, Pot Stills) würde ich die Brennerei trotz meiner kritischen Worte für einen Besuch empfehlen und hoffe ihr erwischt einen motivierten Tourguide und kommt nicht, wie ich, abgehetzt zur letzten Tour des Tages. 

Fazit: Eine interessante Brennerei in einem, für meinen Geschmack, zu schönem und professionellen Gewand. Ich persönlich konnte mich dem Eindruck, dass Marketing und Tourismus der Brennerei den individuellen Charme nehmen nicht erwehren. Dennoch bereue ich meinen Besuch nicht, da ich das Innenleben und die Gebäude als sehenswert empfunden und somit meinen Besuch genossen habe.


Slainte Mhath! 

Euer Leon 



Fakten (Stand Juli 2015):
Eigentümer: Suntory
Gegründet: 1823
Produktionsvolumen pro Jahr: 1.650.000 Liter pro Jahr
Adresse: By Dalmuir, Clydebank, West Dunbartonshire G81 4SJ
Aussprache: Ochentoschen/ Oarkentoschen
Erreichbar: Mit dem Bus, mit der Bahn



Quellen:


- Hoffmann, Marc (2007): Whisky - Marken aus der ganzen Welt; Bath, New York, Singapore, Hong Kong, Cologne, Delhi, Melbourne: Parragon
- https://de.wikipedia.org/wiki/Auchentoshan
- http://whiskyreviews.blogspot.de/2014/10/whisky-review-495-auchentoshan-18yo-43.html
- http://www.maltmadness.com/whisky/auchentoshan.html
- Jackson, Michael (2010); Malt Whisky; London, New York, Melbourne, München, Delhi: Dorling Kindersley


Sonntag, 2. August 2015

Around The World Tasting


Getreu unserem Motto "Bring me that horizon" verabschieden sich die Malt Mariners (vorerst) mit einem Highlight. Wie die meisten von Euch wissen, verabschiede ich (Leon) mich nach diesem Tasting für (mindestens) zwei Monate nach Schottland. Was die Zukunft bringt wird ist herrlich ungewiss! Passend dazu wird sich das Around The World Tasting am 14.08.2015 erstmalig (vorwiegend? ausschließlich?) mit nicht-schottischen Whiskies beschäftigen. Wie immer bleibt die Auswahl, Art und Herkunft der guten Tropfen im Nebel des Abenteuers, das vor uns liegt, verborgen. Es wird in jedem Fall eine spannende Reise und wir sind bereits jetzt gespannt, auf eure Reaktionen und Einschätzungen der neuen Ufer. Ich und Michael freuen uns jedenfalls schon riesig darauf mit Euch noch einmal die Korken ploppen zu lassen!

Möge Kalypso uns wohl gesonnen sein!

Eure Malt Mariners

Donnerstag, 9. Juli 2015

Compass Tasting verschoben!


Ahoi liebes Hamburg!
Nachdem am 11.07. leider zu viele von euch Malz Matrosen das Compass Tasting verpasst hätten, haben wir einen neuen Termin und eine neue Location ausfindig machen können! Und zwar Freitag den 31.07. um 19:30 Uhr in der Grubesallee 26. Da dieses Tasting auch das Abschiedtasting für meinen Arbeitgeber Nordlicht e.V. wird sind wir in den Räumlichkeiten. Ich werde, da meine Kollegen vermutlich eher Neulinge sind, bei diesem Tasting ein paar Info Blöcke einbauen. Malt Marines seht es mir nach und unterstützt mich beim missionieren ;)
Habt gut gegessen und bringt Kameraden und Kameradinnen mit, wir haben lange Wege vor uns! Möge Kalypso uns wohl gesonnen sein! 
Eure Malz Piraten! Jo ho!

Donnerstag, 2. Juli 2015

Distillery Review 7: Talisker


Die Malt Mariners Distillery Reviews sind kleine Reiseberichte, die sich speziell mit dem Besuch unserer geliebten Whisky Brennereien befassen. Bitte beachtet hierbei, dass es sich um Eindrücke einer Einzelperson handelt. Die Einblicke sind subjektive Momentaufnahmen und sollten als solche verstanden werden. Viel Spaß!


Distillery Review 7: Talisker


Skye ist ein Reiseziel für das man sich mehrere Tage Zeit nehmen sollte, da die Anreise von Edinburgh oder Glasgow gute fünf Stunden in Anspruch nimmt und es schlichtweg so viel zu sehen gibt (Old Man of Storr, Kilt Rock, Fairy Pools...)!
Anders als auf der Whisky-Insel Islay, fällt auf Skye die Entscheidung (noch) nicht schwer, welche Brennerei man besuchen möchte. Noch? Richtig! Im „Malt Whisky Yearbook 2015“ schreibt Ingvar Ronde, dass wohl eine weitere Brennerei auf Skye in Planung sein soll! Mossburn Distillers sollen den Plan des verstorbenen Sir Iain Noble aufgenommen haben bei Torabhaig eine zweite Brennerei aufzubauen. Wir haben ein Auge drauf, versprochen! Bis auf weiteres bleibt Talisker aber die einzige Brennerei auf der größten Insel der inneren Hebriden, die heute durch eine Autobrücke mit dem Festland verbunden ist. Die Anreise und Planung fällt daher unproblematischer aus als auf den Nachbarinseln. 


Die Talisker Distillery selbst liegt in Carbost am Loch Harport, einem Meeresarm der sich bis zur Brennerei erstreckt. Die Lage ist wundervoll, wenngleich man vermutlich in Carbost außer dem „Old Inn“ kaum Unterkünfte finden wird. Das Dorf besteht aus einigen Häusern und einem winzigen Tante Emma Laden. Das „Old Inn“ ist Hotel, Restaurant und Pub in einem und definitiv einen Besuch wert. Wer sich also Wegstrecke zur Brennerei sparen will, kann direkt gegenüber im Old Inn übernachten. 

Ihr sucht eine preiswertere und familiärere Alternative? Dann möchte ich euch unbedingt das „Skyewalker Hostel“ in Portnalong ans Herz legen. Das Hostel ist eine tolle Mischung aus Skurrilitäten und herzlicher Gastfreundschaft im 60iger Jahre Hippie-Stil. Brian und Lisa führen das Hostel als Familienbetrieb und haben einen genialen Rückzugsort von Handystress (internetfreie Zone ;) und Alltag geschaffen. Mit dem Auto ist man in 5 Minuten bei der Brennerei, zu Fuß ist man eine knappe Stunde unterwegs. Perfekt für einen Tagesausflug.


Aber zurück zur Brennerei! Was gibt es Interessantes zu erzählen? Die Brennerei wurde 1830 gegründet, jedoch erst 1831 am heutigen Ort errichtet. Bis 1928 wurde bei Talisker dreifach destilliert, anschließend stellte man auf die, bis heute gängige, Zweifachdestillation um. 1960 brannte die Brennerei komplett nieder! 1962 wurde sie originalgetreu wieder errichtet. Wie bei den Schotten üblich machte man aus der Not eine Tugend und integrierte den Tod in den Flammen ins Marketing. So kann man heute in der Brennerei auf den Werbebannern „Out of the fire came Talisker“ lesen. Zugegeben, bei Betrachtung des unverwechselbaren Charakter des Whiskys ist dies eine Formulierung deren Dramaturgie ich mich nur schwer entziehen kann. 1972 schlossen leider wie bei so vielen Brennereien die Malzböden. Schade. Soviel zur Historie!


Talisker gehört zum Spirituosen Giganten Diageo und muss sich daher der rigiden „Health and Safety Policy“ unterwerfen (laaaangweilig!). Dies führt wie bei den meisten Diageo Brennereien zu einem generellen Fotoverbot in der Brennerei (erspart euch die Diskussion um den „Blitz“ der Kamera welcher möglicherweise „Funken entzünden könnte“). Schade, scheiße, aber normal! Die Tour selbst haute mich auch nicht grade vom Hocker... Nur ein Blick durch dickes Glas in die Lagerhäuser und ein Anstecker als Takeaway gift... Alles in Allem wirkte es knauserig! Ich hoffe, dass sich das Management bis zu meinem oder eurem nächsten Besuch eines Besseren besonnen hat.


Das alles trübte für mich Kopf-und-Herz-Mensch etwas das Talisker-Erlebnis. Sich jedoch an der Bar des „Old Inn“ durch 4 (oder 5...? Erinnerung, Erinnerung ;) Talisker Varianten zu probieren, machte das alles wieder wett. Der Zauber des Ortes tut dann doch sein Übriges, um einem die schönsten Malt Moments zu schenken. Und Talsiker ist und bleibt für mich trotz Kühlfilterung und Farbzugabe einer der besten Whiskies überhaupt. Die zehn Jahre alte Standardabfüllung ist in meinen Augen für 30 bis 35 Euro ein so toller und komplexer Malt mit echten Ecken und Kanten. Die Authentizität und leidenschaftliche Wildheit der Insel, die sich im Talsiker wiederfindet, wird daher bisher nicht durch Marketing Stolpersteine getrübt. Wer also einen echten Insel-Whisky mit selbstbewusstem aber nicht zu dominanten Rauch, eine ordentliche Portion Feuer und Gewürze im  maritimen Gewand sucht, ist mit Talisker bestens beraten.


Fazit:
Die Talisker Brennerei ist eine von vielen „Must See“ Orten auf Skye. In Sachen Gastfreundschaft hat die Brennerei Luft nach oben, der „King of drinks“ ist jedoch zum Glück ein Kind seiner Insel geblieben.

Slainte Mhath! 

Euer Leon 

 










Fakten (Stand Juli 2015):
Eigentümer: Diageo
Gegründet: 1830
Produktionsvolumen pro Jahr: 2.000.000 Liter pro Jahr
Adresse: Carbost, Skye IV47 8SR
Erreichbar: Zu Fuß (?), mit dem Auto
Link: Keine eigene Homepage
http://www.malts.com/index.php/de_de/Unsere-Whiskies/Talisker





Quellen: 
- https://de.wikipedia.org/wiki/Talisker
- http://www.maltmadness.com/whisky/talisker.html
- Jackson, Michael (2010); Malt Whisky; London, New York, Melbourne, München, Delhi: Dorling Kindersley 
- Ronde, Ingvar (2014): Malt Whisky Year Book; Shropshire: MagDig Media Limited
- Wündrich, Katja; Seonaidh, Adams (2012): Whisky Trails; Frankfurt am Main: Goldfinch
- Mein Whisky Tagebuch ;) 

Samstag, 27. Juni 2015

Danke Hamburg!



Die Malt Mariners sagen ein weiteres Mal "Danke Hamburg!".
Wir haben uns wieder einmal über viele neue Gesichter und eine super Stimmung freuen dürfen.
Auf bald!

Michael & Leon

Dienstag, 9. Juni 2015

Three-and-a-half-isles on the way!




Die Malt Mariners kehren bereits im Juni nach Hamburg zurück. Diesmal mit kompletter Crew :). Wie es sich für echte Abenteurer gehört, erobern wir bei diesem Tasting dreieinhalb Inseln. Was es mit dem "einhalb" auf sich hat, können sich die Maltheads unter Euch denken, die Anderen dürfen sich überraschen lassen :). Wir freuen uns auf einen weiteren tollen Abend mit unserem geliebten Hamburg und seinen phänomenalen Einwohnern :). 

Stay tuned

Leon & Michael

Sonntag, 7. Juni 2015

Distillery Review 6: Ardbeg


Die Malt Mariners Distillery Reviews sind kleine Reiseberichte, die sich speziell mit dem Besuch unserer geliebten Whisky Brennereien befassen. Bitte beachtet hierbei, dass es sich um Eindrücke einer Einzelperson handelt. Die Einblicke sind subjektive Momentaufnahmen und sollten als solche verstanden werden. Viel Spaß!


Distillery Review 6: Ardbeg





Ardbeg zählt zweifelsohne zu einer der beliebtesten „Smokehead“-Brennereien Schottlands. Vor einigen Tagen feierte sie ihr 200stes Jubiläum. Gratulation! Nachdem die Brennerei viele Höhen und Tiefen durchleben musste und zeitweilig wie so viele ihrer Geschwister in den rauen 80igern eingemottet wurde, wird sie seit 1997 von Glenmorangie PLC geleitet (Glenmorangie PLC -> gehört nun LVMH und Diageo). Ardbeg wird von manchen Whisky Liebhabern kritisch als „hype-distillery“ betitelt. Der Grund hierfür liegt wohl in der Vielzahl an Sonderabfüllungen (meist NAS), die meist schnell ausverkauft sind und sich dann im Internet, dank der hohen Zahl an Sammlern, Preisschlachten liefern (siehe Rollercoaster, Alligator, Supernova etc.). Dem gegenüber steht eine vergleichsweise übersichtliche Range von Standardabfüllungen, derzeit der Ardbeg 10 und die beiden No-Age-Statement-Geschwister Uigeadail & Corryvreckan. Ich werde mich zu diesen Streitfragen nicht weiter äußern, da ich der Meinung bin, wer sammeln will, soll dies tun. Früher oder später könnte diese Blase platzen und wir Whisky-Genießer und Tastingfreunde freuen uns über ein Bad im Sammlerwhisky. So oder so produziert Ardbeg verdammt noch mal guten Whisky und solange das so bleibt, wird das Zeug auch weiter getrunken. Mit 54,2 % Vol. und 57,1 % Vol. bringen Uigeadail & Corryvreckan gut was auf die Wage und die Kühlfilterung spart sich die Brennerei obendrein. Warum man allerdings das rauchige Gold färbt ist und bleibt mir ein Rätsel. Die Flasche ist grün. Wozu also nachfärben?



Kommen wir nun aber zur Brennerei selbst. Mit Lagavulin und Laphroaig hat sie prominente Nachbarn, Lagavulin ist dabei einen kurzen Fußmarsch entfernt. Man kann daher beide Brennereien an einem Tag entspannt besichtigen. Läuft!
Die Location an Islays Südküste lässt jedes Malt-Herz höher schlagen. Raues Meer, raue Felsen... und dazu ein Ardbeg! Toll! Die Brennerei ist auch für ihr Bistro, das „Old Kiln Cafe“ im Besucherzentrum bekannt, in dem man sich mit Speisen und dergleichen versorgen kann. Dies kann an einem Distillery-Tour-Tag durchaus einmal überlebenswichtig werden ;). Optisch macht die Brennerei einiges her und die Tour führt durch eine Vielzahl ansehnlicher Räumlichkeiten. In meinem Fall wurde die Tour, wie so oft, von einer attraktiven jungen Frau geleitet, die aber über die Führung hinaus leider wenig Sachkenntnis über Whisky zu haben schien. Das abschließende Tasting fiel auch spärlich aus, wenngleich man ein „Perfect Dram“ Gläschen mitnehmen dürfte. Aber wer fachsimplen will, sollte eben nicht die Standard Tour, sondern eine der Tasting-Touren oder ein Warehouse-Tasting wählen (auf Islay generell eine Empfehlung!!). Zu erreichen ist die Brennerei im Prinzip nur mit dem Bus, der auf Islay bekanntlich sehr sporadisch unterwegs ist. Informiert euch also vorher gut wann euch ein Bus zur Quelle der Ewigen Jugend fährt... und vor allem auch wieder zurück!


Fazit:
Ardbeg ist wie ich finde eine gute Mischung aus Touristenattraktion und Qualitätsbrennerei. Ihre Extravaganzen im Bereich Sonderabfüllungen waren ihrem Ruf sicher nicht nur zuträglich, aber unverschämt teure Flaschen haben schon andere Brennereien mit schlechterer Gesamtqualität auf den Markt geworfen. Ich finde Ardbeg ist ein absolutes Muss, wenn man sich bereits die Mühe gemacht hat nach Islay zu gelangen.


Slainte Mhath! 

Euer Leon 



Fakten (Stand März 2015):
Eigentümer: Moët Hennessy Louis Viutton
Gegründet: 1815
Produktionsvolumen pro Jahr: 1.000.000 Liter pro Jahr
Adresse: Port Ellen, Islay, Argyll PA42 7EA
Aussprache: Ardbeg
Erreichbar: Mit dem Bus




Quellen: 
- http://de.wikipedia.org/wiki/Ardbeg
- http://www.maltmadness.com/whisky/ardbeg.html
- Jackson, Michael (2010); Malt Whisky; London, New York, Melbourne, München, Delhi: Dorling Kindersley 
- Ronde, Ingvar (2012); Malt Whisky Year Book 2013; Shrewsbury Shropshire SY3 7FA: MagDig Media Limited

Samstag, 6. Juni 2015

Hamburg trotzt der Hitze :)


Hamburg hat sich mal wieder selbst übertroffen :). 
Egal ob bei Wind und Wetter oder strahlendem Sonnenschein, auf Hamburch is Verlass :). Fettes Dankeschön an die Crew des gestrigen Abends. Ihr habt tapfer trotz Ausfällen am Steuer das Ding munter nach Hause gesegelt!


Montag, 25. Mai 2015

Das Sherry Cask Tasting steht bevor!

Nachdem Hamburg uns die Möglichkeit geboten hat unsere Flaschenauswahl durch einen erhöhten Unkostenbeitrag zu erweitern bieten wir am 05.06.2015 erstmals ein Tasting mit deutlich hochwertigeren Single Malts an. Danke Hamburg für diese tolle Gelegenheit! Wir freuen uns jetzt schon riesig auf Euch!

Eure Malt Mariners Michael & Leon




Freitag, 15. Mai 2015

Danke Hamburg!


Die Malt Mariners sagen ein weiteres Mal FETTEN DANK an Hamburg! War, wie nicht anders zu erwarten, ein genialer Abend mit Euch! Hoffe alle sind wie wir safe and sound wieder im Hafen angelangt.

Eure Malz Piraten!


Mittwoch, 6. Mai 2015

Distillery Review 5: Warenghem


Die Malt Mariners Distillery Reviews sind kleine Reiseberichte, die sich speziell mit dem Besuch unserer geliebten Whisky Brennereien befassen. Bitte beachtet hierbei, dass es sich um Eindrücke einer Einzelperson handelt. Die Einblicke sind subjektive Momentaufnahmen und sollten als solche verstanden werden. Viel Spaß!
Distillery Review 5: Warenghem

Warenghem? Nie gehört? Nicht verwunderlich, sucht man doch in der meisten Whisky-Literatur vergeblich nach ihr. Um so mehr freuen wir uns, die Möglichkeit zu haben Euch von unserem Besuch zu berichten. Und so gebührt der Brennerei Warenghem die Ehre als erste nicht-schottische Brennerei in die Malt Mariners Distillery Reviews eingereiht zu werden. Warenghem liegt im bretonischen Küstenstädtchen Lannion („Lannuon“ im Bretonischen) im Herzen der Bretagne. Da wir vom Scotch wissen, dass Whisky ein sonniger Spiegel seiner kulturellen Umgebung ist, halte ich es für angebracht, etwas auszuholen und ein paar Worte zur Region und den Menschen zu verlieren. Die Bretonen lassen sich mit ihren keltischen Wurzeln ungern zu den Franzosen zählen und lassen an ihrem Regionalpatriotismus keinen Zweifel. Bei uns ist die Bretagne den meisten vermutlich durch Asterix und Obelix bekannt und so ganz abwegig ist dieses Klischee der widerspenstigen aber herzlichen Gallier auch nicht. 


Die Landschaft erscheint wie eine bizarre Mischung aus schottischen Heidemooren, und rauen Nordseeabschnitten, gepaart mit französischem Flair. Die Landschaft und die Küstenstädte sind atemberaubend schön und in den Ortschaften kuscheln sich Fischrestaurants (Austern!), Crêperien und Souvenirläden (in denen die Bretonen selbst gerne einkaufen ;) aneinander. Die bretonische Küche wird dominiert von Fisch, Crêpe, Galette (Crêpe aus Buchweizen, meist mit Käse, Ei, Schinken oder allem), Fleisch und Süßspeisen. Gefühlte Hauptbestandteile sind daher Butter und Zucker ^^. 


Whisky ist bei den Bretonen leider (noch) nicht häufig anzutreffen, wenngleich viele Souvenirläden einige wenige bretonische Whiskies führen. Nationalgetränk der Bretonen ist (und bleibt vermutlich) der Cidre, ein leichter Apfelschaumwein. Wie es den Galliern aber eigen ist, kämpft eine kleine tapfere Brennerei um die Produktion und Verbreitung von qualitativ hochwertigem bretonischen Single Malt. Die Brennerei besteht bereits seit mehreren Generationen, hat aber erst 1994 begonnen Single Malt zu produzieren. 1998 erblickte der erste „Armorik“, wie sich der Single Malt nennt, das Licht der Welt.  Zuvor wurden Kräuterschnäpse und Liköre produziert, was sich heute noch in der größeren Auswahl an anderen Spirituosen wie Met und dergleichen widerspiegelt.


Wie bereits erwähnt liegt Warenghem noch im Stadtgebiet von Lannion und ist daher vermutlich auch zu Fuß oder mit dem Bus zu erreichen (wir waren mit dem Auto unterwegs). Äußerlich macht die Brennerei nicht viel her und ist keine Touristenattraktion, wie manche schottische Brennereien. Der brennereieigene Laden ist puristisch gehalten und stellt die aktuelle Range der zu verkaufenden Getränke aus. Es gibt keine „klassischen“ Touren durch die Brennerei, die im Grunde nur aus einem großen Raum besteht. Wer jedoch, wie wir, nett fragt bekommt sicherlich auch einen Blick in die Brennerei und das Lagerhaus. Die nette Mitarbeiterin (die neben Englisch auch noch Deutsch sprechen konnte!) nahm sich für uns extra Zeit und zeigte uns die Pot Stills und die Lagerhäuser, die derzeit rund 4000 Fässer beherbergen. Die Brennerei hat eine der letzten bretonischen Böttchereien in Douranenez an der Hand, die eigens für die Brennerei frische Eichenfässer herstellt. Diese finden teilweise Verwendung bei den Single Malts. Eine eigene Mälzerei hat die Brennerei nicht, das gemälzte Getreide kommt daher aus Belgien.
Die Lagerhäuser sind bis an die Decke mit zum Teil stehenden Fässern gefüllt. Laut Aussage der Mitarbeiterin eignet sich das bretonische Klima mit einer Temperaturschwankung von 10 Grad im Jahr gut zum Reifen für Whisky. Die Reifung ist allerdings mit im Schnitt 2-3 Monaten schneller unterwegs als in Schottland.


Das Single Malt-Aushängeschild der Brennerei ist der „Armorik“ der mit Stolz den gallischen Namen der Bretagne auf der Brust (bzw. der Flasche) trägt (Aremorica = gallische Name für die Bretagne). Derzeit wartet die Brennerei mit vier unterschiedlichen Single Malt Abfüllungen auf. Der Günstigste aus dem Sortiment, die „Edition Orginal“ ist bereits für um die 20 Euro zu haben und lässt für den Preis geschmacklich kaum Wünsche offen. Ein wie ich finde sehr gelungener, frischer und fruchtiger Malt, den man leicht mit einem der schottischen Verwandten verwechselt. Und das bei nur 4 Jahren im Bourbon Fass! Der „Classic“ kommt mit einer 4 bis 8 jährigen Fassmischung von 60% Ex-Bourbonfässern und 40% Ex-Sherry Fässern daher. Ebenfalls sehr lecker! Besonders überrascht hat mich der „Sherry Finshed“, der ebenfalls mit grade mal 4 Jahren eigentlich noch grün hinter der Ohren sein müsste, jedoch schon mit einer tollen Frucht aufwarten kann. Der „Double Matured“ lag drei jahre in extra für die Brennerei angefertigten bretonischen Eichenfässern, bevor er noch weitere drei Jahre in Ex-Sherry Fässern wohnen durfte. Auch der hauseigene Blend mit dem Namen „Breizh“ schmeckte mir hervorragend, wo ich ja sonst beim Thema „Blended“ doch eher die Nase rümpfe. Mit einer 50-50 Mischung von Grain und Malt Whisky muss sich dieser Blended nicht verstecken. Alles in Allem ein solides Sortiment an spannenden Whiskies! Wir dürfen gespannt sein, was Warenghem in den nächsten Jahren ins Rennen schicken wird. Meiner Meinung nach ist diese Brennerei allemal einen Blick über den Tellerrand wert! Warenghem zeigt mal wieder deutlich: Die inneren Werte zählen!


Fazit: 
Warenghem ist eine junge Brennerei die sich jüngst auf den „Qualitätswhisky“ Betrieb eingestellt hat. Dies ist ihr unserer Meinung nach bereits gut gelungen und lässt auf viel Gutes in der Zukunft hoffen! Die jungen Malts müssen sich nicht verstecken und erreichen als (für meinen persönlichen Geschmack) erste nicht-schottische Whiskies den Standard (oder Stil?) ihrer schottischen Nachbarn. Die Brennerei selbst ist einen Besuch wert, wenn man höflich nachfragt und sich rechtzeitig ankündigt. Ansonsten ist der Shop mit Sicherheit auch für Freunde anderer leckerer Sünden eine große Freude. Wir hatten jedenfalls unseren Spaß! Weiter so Warenghem! 


Yec´hed mat!

Euer fellow Malt Mariner Leon




Fakten (Stand April 2015):
Eigentümer: Warenghem
Gegründet: 1900 (Whisky since 1994)
Produktionsvolumen pro Jahr: ?
Adresse: Route de Guingamp, Boutill, 22300 Lannion, Frankreich
Aussprache: „Waren-gem“
Erreichbar: Zu Fuß, Bus, Auto
Link: http://www.distillerie-warenghem.com





Quellen: 
- http://www.distillerie-warenghem.com
- Meine Erinnerung, Mein Whisky-Tagebuch, Meine Kamera ;)